Lebensort München - Frauen in der Stadt
- München, Stadt für Frauen: Das haben wir erreicht
- Was wir in den nächsten Jahren erreichen wollen...
- Für die nächsten Jahre sind unsere wichtigsten Ziele:
"Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." (Artikel 3, Abs. 2 Grundgesetz). Dieser Grundsatz ist für die Münchner Rathaus-SPD Verpflichtung. Die SPD im Rathaus hat in den letzten Jahren in dieser Hinsicht viel erreicht, was nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken ist, daß in der SPD-Fraktion 18 von 30 Mitgliedern Frauen sind und wir mit Dr. Gertraud Burkert seit 1993 eine erfolgreiche Zweite Bürgermeisterin stellen.
München, Stadt für Frauen: Das haben wir erreicht
1985 haben wir die erste Gleichstellungsstelle für Frauen in Bayern eingerichtet, zu deren Schwerpunkten die Verbesserung der Bürgerinnenorientierung der Verwaltung und die Umsetzung der betrieblichen Gleichstellung bei der Stadt gehören. Die Arbeit der Gleichstellungsstelle zeichnet sich durch ein hohes Engagement und große Kreativität aus und hat deshalb in vielen Bereichen für andere Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Verbände Vorbildcharakter. Die ebenfalls von uns eingerichtete Gleichstellungskommission bietet Vertreterinnen von Frauenverbänden und -projekten die Möglichkeit, direkt auf die Stadtpolitik Einfluß zu nehmen. Für uns ist es wichtig, das Wissen und die Erfahrung dieser Frauen in unsere Arbeit miteinzubeziehen.
Die Verabschiedung der "Leitsätze 2000 zur Chancengleichheit von Frauen" trägt dazu bei, daß die betriebliche Gleichstellungspolitik der Stadt München weiterhin bundesweit Maßstäbe setzt. 1999 wurde die Stadt als Arbeitgeberin mit dem Total-E-Quality-Preis für vorbildliche Frauenförderung ausgezeichnet. Von den rund 2.400 Führungspositionen bei der Stadt ist inzwischen jede dritte mit einer Frau besetzt, Teilzeitstellen werden weiter ausgebaut, flexible Arbeitszeitmodelle angeboten und Personalauswahlverfahren transparenter gemacht, um nur einige Beispiele zu nennen.
Kinderbetreuung ist eine Aufgabe für Väter und Mütter, wird allerdings immer noch hauptsächlich den Müttern überlassen. Um Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, ist es eine der wichtigsten Aufgaben, ausreichend Kinderbetreuungsplätze bereitzustellen. Wir haben in den letzten fünf Jahren 300 neue Krippenplätze, 2.825 neue Kindergartenplätze und 1.269 neue Hort- und Tagesheimplätze geschaffen - ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Daneben wurden Eltern-Kind-Initiativen verstärkt gefördert und die Arbeitsbedingungen für Tagesmütter und -eltern verbessert.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit war und ist das Problem der Gewalt gegen Frauen. Mit der Unterstützung der Kampagne "Aktiv gegen Männergewalt" durch den Stadtrat und die Verwaltung haben wir dazu beigetragen, daß das Thema Gewalt gegen Frauen weiter ins öffentliche Bewußtsein gerückt ist. Außerdem ist es für uns selbstverständlich, daß die Schutz- und Betreuungsangebote für von Gewalt betroffene Frauen von der Stadt unterstützt werden. So wurde z.B. die Erreichbarkeit des Frauennotrufs mit finanziellen Mitteln der Stadt erheblich erweitert. Kurse zur Förderung der Selbstbehauptung und zur Selbstverteidigung sind als Präventionsmaßnahmen breit akzeptiert und werden von der Stadt gefördert. Um das Dominanz- und Unterdrückungsverhalten von Jungen gegenüber Mädchen abzubauen, haben wir begonnen, in München eine antisexistische Jungenarbeit aufzubauen. Wir unterstützen Männerprojekte, die präventiv arbeiten und das Thema Gewalt von Männern aufarbeiten und gegensteuern ebenso wie Projekte, die mit Tätern arbeiten, um damit weitere Gewaltausübung zu verhindern. Die Förderung des Sicherheitsgefühls und die Verbesserung der Sicherheitssituation von Frauen im öffentlichen Raum und im Öffentlichen Nahverkehr wird in die Planungen einbezogen und laufend überprüft.
Migrantinnen sind Münchnerinnen und haben den gleichen Anspruch auf eine differenzierte Beachtung ihrer Bedürfnisse wie Mädchen und Frauen deutscher Herkunft. So fördert die Stadt spezielle Angebote für Migrantinnen wie Gesundheitsprojekte Deutschkurse, Ausbildungsprojekte oder die Berufswegplanung.
Politik für Mädchen ist in München mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Spezielle Angebote für Mädchen in Freizeitheimen, Mädchenbeauftragte an allen städtischen Schulen, Fachstellen für Mädchenarbeit beim Jugendamt, im Schulreferat und beim Kreisjugendring und die Förderung zahlreicher Mädcheneinrichtungen haben wir durchgesetzt.
München gehört im Bereich Frauen und Gesundheit zu den fortschrittlichsten Städten in Deutschland. Frauen unterscheiden sich nicht nur in ihrer körperlichen Konstitution von Männern. Die weibliche Sozialisation, die gesellschaftliche Stellung und die Lebensumstände von Frauen prägen die Entstehung und die Bewältigung von Krankheiten. Die Fachstelle Frau und Gesundheit beim Gesundheitsreferat und der Fachausschuß Frau und Gesundheit des Gesundheitsbeirats widmen sich diesem Thema ebenso wie die von der Stadt unterstützten Fraueneinrichtungen im Gesundheitsbereich. Die SPD hat durchgesetzt, daß die Themen Brust und Gesundheit und koronare Herzerkrankungen bei Frauen zu öffentlichen Themen geworden sind. Ein Erfolg war die Einrichtung einer gynäkologischen Ambulanz in einem städtischen Krankenhaus, in der auch ambulante Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können.
Dies sind nur einige Bereiche, in denen die Münchner SPD erreicht hat, daß München eine Stadt für Frauen ist und bleibt.
In der Frauenpolitik müssen wir weiter vorankommen.
Wir unterstützen die Forderung der EU nach "Gender Mainstreaming", die im Amsterdamer Vertrag von 1996 festgeschrieben wurde und die konsequente Weiterführung einer gezielten Frauenförderpolitik darstellt. Dieses Prinzip verlangt, daß bereits bestehende bzw. geplante Maßnahmen und Regelungen auf ihre Auswirkungen auf Frauen und Männer überprüft werden, um mögliche Benachteiligungen zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Im Amsterdamer Vertrag haben sich alle Staaten der Europäischen Union verpflichtet, das Gender Mainstreaming Prinzip in ihrer Politik anzuwenden. Auch die Stadt München wird dieses Prinzip in allen Bereichen städtischer Politik umsetzen.
Allerdings müssen wir das bisher Erreichte sichern und weitere Schritte in Richtung volle Gleichberechtigung von Männern und Frauen unternehmen, was in den nächsten Jahren nicht leichter werden dürfte. Frauen werden zunehmend mit immer größer werdenden Anforderungen im Beruf konfrontiert, müssen sich permanent fortbilden und sollen zeitlich flexibel und örtlich mobil sein. Berufstätigkeit ist aber die Gewähr für soziale Absicherung und ein eigenständiges Leben. Immer mehr Frauen - auch mit Kindern - sind u.a. aufgrund ihrer qualifizierten Ausbildung selbstverständlich berufstätig. Wir müssen das im Rahmen der Kommunalpolitik Mögliche tun, damit Frauen im Beruf gleiche Chancen haben. Vor allem Frauen mit Kindern dürfen nicht die Verliererinnen der rasanten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sein und ins schlechtbezahlte Abseits gedrängt werden, sondern tatsächlich die vielfältigen Anforderungen im Berufsleben, in der Alltagsorganisation und die notwendige Stabilität der Familienzeiten vereinbaren können - egal in welcher Position.
Hinzu kommt, daß in Deutschland Familienarbeit immer noch zu einem erheblichen Teil Ersatz für öffentliche Betreuungs- und Bildungsleistung ist. Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist keine gesellschaftliche Aufgabe, sondern muß von den Frauen individuell gelöst werden. Im privaten Bereich herrscht nach wie vor eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vor, die den Frauen den Großteil der nicht bezahlten Arbeit wie Kindererziehung, Hausarbeit oder Pflege von Angehörigen aufbürdet.
Die einseitige Verteilung der Familienpflichten hat großen Anteil an der Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft, doch dürfen auch die vielfältigen Formen der direkten und indirekten Diskriminierung von Frauen vor allem im Berufsleben durch historisch gewachsene und verfestigte hierarchische Verhältnisse zwischen den Geschlechtern nicht außer acht gelassen werden.
Was wir in den nächsten Jahren erreichen wollen...
Wir verfolgen eine Politik, die Frauen das Leben in einer Großstadt wie München im Beruf, im Alltag und in der Familie erleichtert und damit dazu beiträgt, daß Frauen mehr Chancen haben, ihr Lebensumfeld aktiv mitzugestalten und sich einzumischen. Nur so kann Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen erreicht werden.
Für die nächsten Jahre sind unsere wichtigsten Ziele:
- Ein Schwerpunkt bleibt die Unterstützung von Frauen bei der Organisation des Alltags. Der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze vor allem im Krippen- und Hortbereich wird fortgesetzt. Außerdem werden wir auch weiterhin beim Freistaat einfordern, für ein Schulangebot zu sorgen, daß auch nachmittags Schülerinnen und Schülern einen pädagogisch betreuten Aufenthalt in der Schule ermöglicht.
- Unter dem Stichwort "Zeiten in der Stadt" werden wir überlegen, wie durch eine bessere Koordination von Zeitstrukturen, flexibleren Öffnungszeiten und Dezentralisierung von Behörden Alltagsorganisation erleichtert werden kann. Wir wollen, daß Familienfrauen, die vielfältigen Zeitanforderungen gerecht werden müssen (z.B. Koordination von Schul- und Arbeitbeginn), im Zentrum der Zeitplanung aller Dienstleistungen stehen. Zu berücksichtigen ist dabei, daß vor allem im Dienstleistungsbereich auch Frauen als Beschäftigte von Änderungen betroffen sind.
- Die Stadt München als größte Arbeitgeberin in der Stadt wird in ihrem Wirkungskreis Frauen als Beschäftigte unterstützen und die bereits eingeleiteten Maßnahmen fortführen.
- In München gibt es ein großes Potenzial gut ausgebildeter und hoch qualifizierter Frauen. Um dem Ziel der Chancengleichheit von Frauen im Beruf noch ein Stück näher zu kommen und den Wirtschaftsraum und Arbeitsmarkt München zu stärken, versucht die Stadt, die Umsetzung der "Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft" in München in Kooperation mit allen beteiligten Akteurinnen zu begleiten und zu fördern.
- So richtig es ist, durch geeignete Maßnahmen (z.B. durch ein Beratungsangebot an den Schulen), den Frauenanteil im Bereich von männertypischen Berufen wie z.B. in den Informations- und Kommunikationstechnologien zu erhöhen, so wichtig ist es auch, den Dienstleistungssektor und seine gesellschaftliche Anerkennung zu stärken. Gerade im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen, z.B. Pflege und Erziehung gibt es einen hohen Frauenanteil unter den Beschäftigten. Wir werden in Zusammenarbeit mit den Kammern, Verbänden und der freien Wirtschaft eine Kampagne zum Ausbau, zur Qualifizierung und zur Aufwertung dieses Berufszweiges führen, der auch ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftsstandortes München ist.
- Daneben werden die Maßnahmen zur Unterstützung einer differenzierten Berufswahl von Mädchen ausbauen. Maßnahmen zur Förderung der Integration von Migrantinnen in den Arbeitsmarkt, z.B. durch das Anbieten von Sprachkursen, werden von uns unterstützt, ebenso wie Existenzgründerinnen.
- In München gibt es eine Reihe von frauenspezifischen Einrichtungen im Bereich Gesundheit. Diese werden wir weiter unterstützen und dieses Angebot mit dem medizinischen Versorgungsnetz stärker verknüpfen. In diesem Zusammenhang sollen vor allem die städtischen Krankenhäuser als weitere Ansprechpartner für Frauengesundheit dienen und ihr Angebot geschlechtsspezifischer ausrichten. Hierzu gehören auch spezielle Angebote für Migrantinnen und alte Frauen.
- Im Bereich der Stadtplanung ist zu berücksichtigen, daß der Arbeitsalltag von Frauen durch ein räumliches Nebeneinander von Wohnen, Dienstleistungsangeboten, Arbeitsplätzen, Versorgungseinrichtungen und Freiflächen zur Erholung erleichtert wird. Das heißt, daß z.B. bei großen Siedlungsvorhaben "kurze Wege" bzw. eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr Priorität haben. Gerade für Frauen mit Kindern und alte Frauen ist die Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten oder Erholungsflächen besonders wichtig.
- Die räumliche und optische Gestaltung von Straßen, Plätzen und Wohnbereichen muß den spezifischen Sicherheitsbedürfnissen von Frauen z.B. durch ausreichende Beleuchtung, Rechnung tragen.
- Frauen sollen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben führen können. Die ambulanten Dienste sollen erhalten und ausgebaut werden. Frauen leisten einen Großteil der häuslichen Pflege und sollen bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe angemessen
- Das Angebot für Mädchen in der Stadt wird weiter ausgebaut. Die Arbeit der Mädchenbeauftragten an den städtischen Schulen wird institutionalisiert und abgesichert. Die Aufgabe der Gleichstellung von Buben und Mädchen in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Freizeiteinrichtungen wird weiter vorangetrieben und das Personal durch entsprechende Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt.
- Wir werden weiter gegen Gewalt gegen Frauen vorgehen - durch Absicherung entsprechender Einrichtungen und Projekte und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.
- Frauenprojekte sind ein wichtiger Bestandteil der städtischen Infrastruktur und als solche weiterhin zu fördern. Wir unterstützen damit das breite Spektrum unterschiedlicher Lebensformen von Frauen, z.B. als alleinerziehende Mutter, berufsorientierte Frau ohne Kinder, Hausfrau, junge Auszubildende, berufstätige Mutter oder Lesbe.
- Das Potential von Künstlerinnen in unserer Stadt wird von uns gefördert, indem wir darauf achten, daß auch Künstlerinnen bei den städtischen Fördermaßnahmen im Bereich Kultur und bei der Ankaufspolitik städtischer Kultureinrichtungen angemessen berücksichtigt werden.
Im übrigen gilt für uns nach wie vor die Aussage aus unserem kommunalpolitischen Programm von 1996: "Wir wollen über diese konkreten Ziele hinaus die Entwicklung in unserer Stadt aufmerksam beobachten und zuhören, was Frauen uns zu sagen haben und für ihre Interessen im Rathaus kämpfen."


