Frauen verdienen mehr - Anmerkungen zum Weltfrauentag
08.03.2007: Brigitte Meier in der AZ-Kolumne "Mein Standpunkt" vom 8. März 2007
Seien wir doch mal ehrlich: Brauchen wir noch einen Weltfrauentag? Es geht uns doch super. Wir können alles werden und tun. Wenn Du gut bist, dann setzt Du Dich durch. Es geht auf dem Arbeitsmarkt nur um Leistung. Das hören wir Frauen doch gerne. Die größte, flexibelste, fleißigste und best ausgebildeste Reservearmee des deutschen Arbeitsmarktes ist selbstbewusster denn je. Leider hat auch bei uns Frauen die neoliberale Ideologie den Blick auf die Realität vernebelt.
Ein paar Fakten: 1. Frauen verdienen in Deutschland immer noch durchschnittlich 24 % weniger als ihre männlichen Kollegen.
2. Noch immer werden "Frauenberufe" schlechter bezahlt als "Männerberufe". Die Ausbildung einer Erzieherin dauert vier Jahre. Das Einstiegsgehalt: 1.764 €. Der bundesdeutsche Durchschnittslohn beträgt 2.884 €. Der Armutslohn liegt bei 1.442 €.
3. Und der Niedriglohnsektor trifft vor allen Frauen hart. Gerade in den klassischen Dienstleistungsbranchen hat es in den letzten Jahren eine Lohnspirale nach unten gegeben: Eine Floristin in Baden-Würtenberg hat einen Bruttostundenlohn von 5,94 €. Im Hotel- und Gaststättenbereich werden in Bayern zwischen 7,38 € und 8,99 € bezahlt, in NRW beginnt es bei 5,18 €. Eine Friseurin hat trotz dreijähriger Ausbildung in Bayern einen Stundenlohn von 6,06 €, in NRW von 4,93 € und in Sachsen von 3,06 €. Zeitarbeitsfirmen zahlen zwischen 5,93 € und 7,00 €. Wohlgemerkt, dass sind tariflich vereinbarte Bruttolöhne.
4. Der Frauenanteil bei Teilzeit-Arbeitsverhältnissen liegt bei 85%. Sie sind meist schlechter bezahlt, wenig abgesichert und bieten kaum Aufstiegsmöglichkeiten.
5. Frauen haben längere berufliche Pausen, sei es wegen Kinderbetreuung, aber auch wegen Arbeitslosigkeit. Nicht selten kumuliert dies gerade bei jungen, schlecht ausgebildeten Frauen - nach dem Motto: Wenn ich schon keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt habe, dann eben Kinder und Familie! Lange Pausen machen aber den beruflichen Einstieg und den späteren Aufstieg besonders schwierig.
Laut IAB verstärken Erwerbsunterbrechungen die Lohnungerechtigkeit gravierend. In den letzten 46 Jahren konnte der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern in Bayern gerade um 10 % verringert werden: So näherten sich die Bruttolöhne der Arbeiterinnen denen der Männer von 67% auf 77% an.
Uns gehört eben leider doch nicht die Hälfte der Welt. Allein im Geldbeutel haben wir bei gleicher Arbeit fast ein Viertel weniger als die Männer. Dies alles wirkt sich auf unsere spätere Rente fatal aus. In Bayern haben Frauen durchschnittlich 500 € weniger gesetzliche Rente als die Männer.
Wenn heute junge Mädchen auf die Frauenbewegung pfeifen, sollte spätestens der Blick auf den eigenen Lohnzettel sie daran erinnern, dass es auf dem Weg zur Geschlechter-gerechtigkeit noch viel zu tun gibt. Und das war nur die Lohnfrage! Über Hausarbeit, Kindererziehung, Beziehungskisten, Magersucht und Sexismus haben wir noch gar nichts gesagt. Aber da sieht es sicher besser aus - oder?


