Sauberer Strom
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Alexander Reissl |
In fünf Jahren sollen die Münchner Stadtwerke so viel Strom aus regenerativen Quellen erzeugen, wie die Privathaushalte verbrauchen. Bis 2025 soll es so viel sein, dass die regenerative Erzeugung der gesamten Verbrauchsmenge entspricht, also auch Gewerbe und Industrie, Handel und Verkehr zusätzlich zu den privaten Haushalten. Das hat der Münchner Stadtrat den Werken als Ziel in Auftrag gegeben.
Nun verhält es sich leider so, dass lokal und regional dieses Ziel nicht erreicht werden kann. Die Windgeschwindigkeiten sind im Raum München viel zu gering, als dass sich mit Windrädern große Strommengen erzeugen ließen. Erst in der Höhe über dem Müllberg fängt das an, Sinn zu ergeben. Vielleicht gibt es demnächst auf der Deponie Nordwest deswegen ein zweites. Die Sonneneinstrahlung würde insgesamt vielleicht zwar reichen (aber halt auch nicht jeder Tag ist sonnig, wie wir gerade in diesem Frühjahr leidvoll erfahren mussten), aber die Flächen, die man für die Kollektoren von Photovoltaikanlagen brauchen würde, bringen wir in München bei weitem nicht auf.
100% 'Ökostrom' für alle Münchner Privathaushalte
Deswegen investieren die Stadtwerke neben dem Bau des Prater-Wasserkraftwerkes, der Optimierung der bestehenden Isarkraftwerke und der Erschließung von Geothermie ganz stark auswärts. Zum Beispiel in eine solarthermische Anlage in Südspanien und in Windkraft zu Land und auf dem Meer. Mit einer spektakulären Beteiligung an einer Windkraftanlage vor der walisischen Küste ist dem stadteigenen Stromerzeuger vor 14 Tagen ein echter Coup gelungen. Mit den bisherigen Beteiligungen und dem Anteil an „Gwynt y Mor“ ist das Ziel 2015, Verbrauchsmenge der privaten Haushalte, fast erreicht.
Schön wäre, wenn sich Bayern der Stromerzeugung durch Windenergie weiter öffnen würde. Vor allem in den nordbayerischen Mittelgebirgen gibt es dafür eine großes Potential, nicht nur an den Küsten von Nord- und Ostsee. Selbst ostdeutsche Binnenländer wie Thüringen oder Sachsen-Anhalt haben heute schon größere Windkraftanteile.
Traditionell sind die Stadtwerke München nicht nur Energiehändler, sondern stark in der eigenen Erzeugung. Damit das auch in Zukunft so bleibt, investiert die städtische Tochter in die Stromerzeugung der Zukunft. Dementsprechend sieht auch die Strategie beim Erdgas aus. Um die Abhängigkeit von Vorlieferanten zu verringern und in weiteren Wertschöpfungsstufen aktiv zu sein, investieren die Werke in Gassuche und –förderung in der europäischen Nordsee.
Viele Städte haben ab Mitte der 90er Jahre als Reaktion auf den Wettbewerb im Strommarkt ihre Energieversorger verkauft. München ist einen anderen Weg gegangen. Es ist heute eine der wenigen Städte, die mit starken Stadtwerken zukunftsträchtige Energiepolitik bestimmen kann. Ein Vorteil der Stadt, der den Münchnerinnen und Münchnern als Strom- und Gaskunden des eigenen Stadtwerks zum Nutzen wird.
Alexander Reissl


