Erneute Anfrage zur Situation substituierter Drogenabhängiger in München
31.08.2007: Grundlage einer Drogenpolitik in München
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Dr. Ingrid Anker |
Wir haben am 7. März 2006 eine Anfrage zur Situation substituierter Drogenabhängiger gestellt. Sie wurde mit Datum vom 29. Mai 2007 beantwortet. Obwohl wir uns aus bekannten Gründen mit der langen Bearbeitungszeit einverstanden erklärten, waren die Antworten mehr als unbefriedigend. In der Regel erhielten wir Antworten unspezifisch aus dem Lehrbuch und nichtssagend oder unkritisch bezogen auf die konkrete Situation in München. Wir erwarten, dass einer Koordinierungsstelle Sucht Basisdaten über Drogenabhängige bekannt sind oder dass diese Stelle in der Lage ist, solche Daten zu beschaffen.
Wir stellen also im folgenden die meisten unserer Fragen noch einmal, da die diesbezüglichen Antworten unseres Erachtens die selbstverständliche Grundlage einer Drogenpolitik in München sein müssten, auf deren Basis gearbeitet wird und die dann auch die Bewertung von Erfolgen und Misserfolgen zulässt.
Aus Gründen der Vergleichbarkeit lassen wir die alte Nummerierung:
Frage 2: Wie ist die Altersverteilung? Wie viele Jugendliche werden substituiert? Dies muss einer Koordinierungsstelle Sucht bekannt sein.
Frage 3: Wie ist die soziale bzw. familiäre Situation der Substituierten, beispielsweise in welchen Haushalten befinden sich Kinder? Siehe Bemerkung zu Frage 2.
Frage 7: zum Qualitätszirkel der substituierenden Ärztinnen und Ärzte ... Antwort: ... Teilnahme freiwillig. ... Einfluss auf die Arbeitsweise individuell unterschiedlich. Auf Grund der Antwort stellt sich uns die Zusatzfrage nach der Qualitätssicherung der Substitution generell.
Frage 8: Wie lautet die Behandlungsvereinbarung mit den Substituierten? Die Antwort hierzu ist formal korrekt, aber es drängt sich auch hierzu die Frage nach Qualitätssicherung und Kontrolle auf.
Frage 9: Mit welchen Medikamenten wird in München substituiert? Wie ist die Verteilung der Substitutionsstoffe auf die Substituierten? Es ist uns unverständlich, dass die Verteilung nicht vorliegt. Müssen die Ärzte das nicht melden, sogar an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte? Es wird ein Substitutionsregister geführt.
Frage 10: nach der psychosozialen Betreuung der Substituierten ... Die Frage ist nur allgemein, nicht detailliert beantwortet. Das Fehlen von Angaben über den Umfang der psychosozialen Betreuung stellt die Legitimation der Substitution in Frage. Deren Einführung wurde mit der These begründet, die Suchtmittelvergabe an Abhängige ist nur das Vehikel, um an sie heranzukommen, die Hauptsache sei die dadurch ermöglichte psychosoziale Betreuung.
Frage 11: Wie verhält es sich mit der Substitutionsmittelvergabe durch Apotheken? Die prinzipielle Antwort ist uns geläufig. Uns interessiert die Situation in München. Wie viele Apotheken sind beteiligt. Bewährt sich die Abgabe in Apotheken? Gibt es Probleme etc.?
Frage 12: ... nach den take-home-Vergaben ... Die Frage nach den begleitenden Kontrollen ist nicht beantwortet.
Frage 14: ... nach dem Beikonsum der Substituierten ... Es darf ja wohl nicht wahr sein, dass hierzu - zu einem bekannten und hochbrisanten Thema - keine Angaben möglich sind. Als Stadträtinnen haben wir Anspruch darauf, dass unsere Fragen ernst genommen und seriös beantwortet werden.
Frage 17: Frage nach der Substitution von Schwangeren, Müttern und Vätern ... Die Antwort zeigt auf, dass Daten zur Familiensituation offensichtlich doch vorliegen (vgl. Antwort zur Frage 3)
Frage 19: ... zu Dauer und Erfolgen einer Substitution ... Wenn keine Daten zu Dauer und Erfolgen von Substituierten in München vorliegen, wie lässt sich dann überhaupt von Erfolg von Substitution in München sprechen?
Frage 20: Wie wird verhindert, dass eine chronische Sucht durch Substitution entsteht oder aufrecht erhalten wird? Es werden nur die Bedingungen für den Beginn der Substitution definiert, nicht für deren Beendigung und die Hinführung zur Abstinenz - sieht man davon ab, dass fallweise Dauersubstitution begründet wird.
Frage 25 (neue Frage): München galt als die Stadt Deutschlands mit der höchsten Codeinvergabe. Ist München auch die Stadt, die die höchsten Mengen an Substitutionsmitteln verabreicht?


