München stellt sich dem Klimawandel III
22.01.2008: SPD setzt auf Drei-Punkte-ProgrammEnergiewende - Energieeinsparung - Energieeffizienz
Antrag
Die Stadt München unterstützt das Ziel der UN-Klimaforscher und des Umweltbundesamts, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 weltweit um 60-80% zu reduzieren.
Die machbaren Zwischen- und Sektorenziele werden von der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und dem Klimabündnis erarbeitet.
Die Stadt München ergreift u.a. folgende Maßnahmen:
Energiewende:
1.Die Stadt München setzt sich das Ziel, die erste deutsche Großstadt zu sein, deren Stadtwerke unter Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit soviel regenerativen Strom produzieren, dass die Münchner Haushalte damit zu 100% versorgt werden können.
2. Die Stadtwerke beobachten die Entwicklung der "geschichteten Solarzelle" und beteiligen sich gegebenenfalls an Pilotprojekten.
3. Die Stadtwerke werden gebeten, die Vorverlagerung der eigenen Wertschöpfung in Richtung Gasfelder über die derzeit geplanten 15% am Eigenbedarf hinaus zu intensivieren.
4. Das Bauzentrum erarbeitet kurzfristig eine Offensive zur Bewerbung der Nutzung lokaler, oberflächennaher Geothermie / Wärmepumpen zur Wärmegewinnung im Gebäudeumfeld außerhalb der Fernwärmevorzugsgebiete.
Energieeinsparung:
5. Die Stadtverwaltung stellt dar, welche städtischen Maßnahmen zur Umsetzung des Kabinettsbeschlusses v. 5. Dezember 2007 ergriffen werden können/müssen. Hierbei sind insbesondere eine kurzfristige Ersetzung von Stromspeicherheizungen und die Erneuerung von Regeleinrichtungen an Heizkesseln zu prüfen.
6. Das Klimabündnis wird gebeten, mit der Bauwirtschaft und den Innungen neue Standards für die Errichtung privater, neuer Gebäude und die Sanierung bestehender Gebäude zu erarbeiten, die den städtischen Standards entsprechen.
7. Das Klimabündnis wird gebeten, eine öffentliche Veranstaltung und eine Kampagne zum Thema "Energieeinspar-Contracting" zu organisieren.
Energieeffizienz:
8. Die Stadt München startet in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden, der Bürgerstiftung "Zukunftsfähiges München und der Münchner Internetplattform Utopia.de eine Kampagne zur Motivation der Münchner Bevölkerung, zu einer CO2-sparenden Lebensweise überzugehen.
Begründung
Hintergrund der Klimaschutzaktivitäten ist die weltweite Erkenntnis, dass die Erderwärmung durch den anthropogenen Treibhausgasausstoß stark beschleunigt wird. Die Ursachen und Wirkungen wurden in den Gutachten der UN-Klimaforscher ausführlich beschrieben. Den Wissenschaftlern zu Folge können die Folgen der Erderwärmung nur dann bewältigt werden, wenn der Anstieg der Durchschnittstemperatur weltweit auf plus 2 Grad bis 2100 begrenzt werden kann. Hierzu ist es erforderlich, die Emission von Treibhausgasen in den Industrieländern um 60-80% gegenüber 1990 zu senken.
Der Münchner Stadtrat nimmt diesen Auftrag ernst und ist sich bewusst, dass sich insbesondere eine global gesehen "wohlhabende" Stadt um die Erreichung dieses von den UN-Klimaforschern einhellig gesteckte Ziel bemühen muss.
CO2-Einsparung bedeutet in der Regel auch Energieeinsparung. Angesichts steigender Preise für fossile Energie ist ein Umsteuern der Energieverbräuche in München ökologisch und ökonomisch dringlich. CO2-Einsparung bedeutet auch den Einsatz neuer Umwelttechnologien. Die damit verbundenen Wertschöpfungschancen müssen auch für München genutzt werden.
Deshalb muss die Stadt München auch über das Klimabündnis hinaus gemeinsam mit der Zivilgesellschaft nach Wegen suchen, größtmögliche lokale Reduktionspotentiale insbesondere von CO2 zu erschließen.
Die Stadt München ist auf einigen klimarelevanten Gebieten sehr erfolgreich. Z.B. sind die Stadtwerke München deutscher Meister bei der Fernwärmeversorgung und war München 2005 Bundeshauptstadt beim Energiesparen. Da die bisherigen CO2-Aktivitäten jedoch nicht ausreichen, ist die Stadt München gefordert, im Rahmen der Fahrpläne der EU und der Bundesregierung eigene Akzente zu setzen.
Im Einzelnen:
1. Mit diesem Ziel werden die Stadtwerke der Vorreiterrolle Münchens bei Energiewende und Klimaschutz gerecht. Beim letzten städtischen Klimahearing wurde geschätzt, dass schon 2020 die Stromerzeugung aus Regenerativer Energie kostengünstiger sein wird als aus fossilen Energiequellen.
2. Berichten der Wissenschaftspresse zu Folge werden u.a. am MIT und der Max-Planck-Gesellschaft in den nächsten 8 Jahren marktreife Ergebnisse der neuartigen Solarzellen zu erwarten sein. Diese Zellen sollen bis zu 80% des Sonnenlichts ausnutzen können, was die Energieerzeugung revolutionieren würde. Es soll sichergestellt werden, dass diese Technologie den kommunalen Energieerzeugern sofort nach Marktreife zur Verfügung steht.
3. In der spätfossilen Energiezeit wird Erdgas eine hohe Bedeutung zukommen. Auch um die Abhängigkeit von großen Förderländern zu reduzieren, sollen die Stadtwerke zu noch höheren Investitionen in eigene Gasquellen ermächtigt werden. Erdgas ist die ökologischste Übergangsenergie ins solare Zeitalter, da es wesentlich weniger CO2 als Kohle und Erdöl freisetzt und größere Reserven bietet.
4. Die "kleine Geothermie" ist in Skandinavien schon Standard. München darf hier nicht den Anschluss verlieren! In der gebäudenahen Nutzung wärmerer Erdschichten oder Grundwassers liegt eine große Chance mit lokaler Wertschöpfung den Wärmebedarf, der ca. 70% des häuslichen Energiebedarfs ausmacht, abzufedern.
5. Für München würde schon die Ersetzung der ca. 30.000 Nachtspeicherheizungen (verursachen bei gleicher Wärmeleistung etwa doppelt so viel CO2 wie eine Ölheizung) eine deutliche Verbrauchs- und CO2-Reduzierung bedeuten. Auch die Optimierung der Heizungsregeltechnik könnte bis zu 30% Verbrauchsersparnis bringen. (Gutachten Prof. Hengstenberg, co2online)
6. Das größte kurzfristige CO2-Reduzierungspotential liegt auf dem Bausektor. Zur Sicherung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sollen unter Berücksichtigung der aktuellen Fördermöglichkeiten zur Sicherung des Wettbewerbs stadtweite Auflagen und Standards mit dem Baugewerbe gemeinsam erarbeitet werden. Das Bauzentrum und das RGU sollten kurzfristig einen Förderfahrplan anbieten. Die private Wirtschaft muss dem städtischen Vorbild (EnEV minus 10) folgen und sich auf die geplante Verschärfung auf Bundesebene einstellen!
7. Die Hürde der Anfangsinvestitionen bei erneuerbaren Energieanlagen oder des Kapitaleinsatzes höherwertiger Sanierung kann durch Contracting (Investor trägt energetische Mehrkosten, Rendite aus eingesparten Energiekosten) überwunden werden. Hierzu muss der Informationsfluss dringend gesteigert werden. Die Stadtwerke München könnten zu einer stärkeren Contractorentätigkeit gewonnen werden.
8. Klimaschutz muss mit all seinen Chancen (Luftverbesserung, Energieeinsparung, Schaffung von Arbeitsplätzen) stadtweit auch über das Münchner Klimabündnis hinaus zu einem positiven Mitmachthema entwickelt werden. Der Zusammenhang zwischen CO2-Reduzierung und niedrigeren Energiekosten muss noch deutlicher werden.


